Wir sind im Jahr 2026. Die erste Woge von „KI wird Texter ersetzten“ ist mit viel Schaum ausgerollt. Aus dem Hype haben sich einige handfeste Erkenntnisse dazu herauskristallisiert, wie KI das Berufsbild und die Aufgaben von Textern und Marketern verändert hat – und was das für Unternehmensleiter und deren Kommunikationsbedarf bedeutet.
Ich gebe es zu: Als ChatGPT und Co noch recht neu waren, hatte auch ich für eine Weile die Sorge, dass mein für mehr als acht Jahre feingetuntes Handwerk bald in wenigen Sekunden regeneriert wird. Mittlerweile sehe ich die Sache aber deutlich klarer. KI hat unzweifelhaft echte Stärken, und sie hat die Texterwelt gravierend verändert. Doch menschlichem Urteilsvermögen und Um-die-Ecke-Denken kann sie nach wie vor nicht das Wasser reichen. Hier sind meine fünf größten Lektion der letzten Jahre.
1. Menschliches Urteilsvermögen wird wichtiger
Als Texterin rühme ich mich mit ein paar Eigenschaften, die mir in der Schreibwelt zugute kommen. Ich kann mich in Leser (und deren kurze Aufmerksamkeitsspanne) hineinversetzen, erkenne ausgewaschene Formulierungen und Buzzwords, denke kritisch, wenn es darum geht, komplexe Themen verständlich zu erklären. An genau diesen Dingen scheitert auch die beste KI (noch). Statt neue Inhalte zu generieren, mischt sie nur auf, was bereits geschrieben wurde. Die Falle dabei: KI-Texte sehen auf den ersten Blick oft wirklich gut aus, mit kreativen Analogien, Studien, Zitaten. Doch wenn wir sie uns genauer ansehen, zerläuft die Substanz oft wie Sand in der Hand.
Mehr Content ist nicht immer besser. KI hat das ganz wunderbar demonstriert. Ein starker Blogartikel schlägt tägliches Posten auf ganzer Länge.

2. Generische Texte(r) verlieren an Bedeutung
Lückenfüller-Texte und Keyword-Stuffing, Wortpreise im unteren Centbereich (wobei ich Wortpreise sowieso schon immer furchtbar fand), Blogs mit möglichst langen Posts, die dann nur so von generischen Phrasen wimmeln. Und Content-Mühlen, die besagte Posts quasi am Fließband produzieren lassen. In diesem Online-Umfeld habe ich mich im Jahr 2019 als Texterin selbstständig gemacht. Heute ist diese Flut an Geschriebenem, das die Welt eigentlich nicht braucht, in wenigen Sekunden mit KI regenerierbar – und das Ergebnis ist meist besser als das, was Einstiegstexter so hinbekommen. Das bedeutet: Texter müssen nicht nur gut schreiben können, sondern auch wirklich verstehen, worauf es bei starkem Content ankommt. Wer erkennt, wie, warum, und wann Texte aktiv für ein Unternehmen arbeiten (und wann nicht), wird umso wertvoller. Darum geht es im nächsten Punkt.
KI hat das Mindestniveau für Copywriter angehoben – und gibt uns gleichzeitig auch viel mehr Raum, um nach oben zu wachsen.
RAFAELA KHODAI, NACHHALTIGKEITS-TEXTERIN
3. Text-Überarbeitungen haben sich (nicht) verändert
Ein guter Teil meines Arbeitsalltages als Texterin ist die Überarbeitung von bestehenden Texten. Mit dem Raketenstart von Chat-GPT und Co ist der Bedarf an Überarbeitungen nicht gefallen, sondern gleich geblieben (oder sogar gestiegen). Wo Unternehmer mir früher Notizen, Sprachnachrichten, Pressemeldungen, oder eigene Textversuche als Content-Bausteine geschickt haben, bekomme ich jetzt wunderschön ausformulierte Absätze. Bei näherem Hinsehen wimmeln die aber nur so von generischen Floskeln und Handlungsaufforderungen, fehlerhaften Studien, und Analogien, die eigentlich keinen Sinn machen.
KI hat das Mindestniveau für Copywriter angehoben – und gibt uns gleichzeitig auch viel mehr Raum, um nach oben zu wachsen.
RAFAELA KHODAI, NACHHALTIGKEITS-TEXTERIN
4. Wirkung > Wortzahl
Vor einigen Jahren war die Frage noch: Brauchen wir wirklich einen Unternehmensblog? Mittlerweile wissen wir: Die Frage sollte nicht lauten „Brauchen wir diesen Blog/Text/LinkedIn-Unternehmensaccount?“, sondern „Was wollen wir mit mit diesem Kommunikationskanal erreichen?“
Texter sind dabei zu echten Unternehmensstrategen geworden. Bevor ich an einen Text herangehe, frage ich erst nach der Zielgruppe, wo in der Buyer Journey diese besagten Text lesen wird, welchen Wissensstand sie hat, und wozu der Text verhelfen soll. Das erfordert zwar häufig ein teaminternes Umdenken – statt simple Textaufträge an günstige Schreiberlinge abzugeben, sollte ein Auftrag mit einem kompakten Unternehmensüberblick verbunden sein. Langfristig bringt dieser Ansatz Unternehmer nicht nur voran, sondern spart auch viel Geld. Denn auch mittelprächtige oder KI-erstellte Texte kosten viele Ressourcen im Briefing, der Überarbeitung, und der grafischen Aufbereitung.
KI hat uns gezeigt, warum wir smarte Texter und Marketer brauchen. Nur „Content schreiben“ ist leider nicht genug; konvertierende Texte brauchen Strategie und Branchenfachwissen.
RAFAELA KHODAI, NACHHALTIGKEITS-TEXTERIN
5. Authentizität zieht – auch für Google
„Schreib einen Blogbeitrag zum Thema Holzfußboden. 2500 Wörter. Folgende Keywords müssen vorkommen: …“. So haben Texteraufträge vor KI-Zeiten häufig ausgesehen. Und häufig waren es tatsächlich genau solche Texte, die einem Unternehmen dabei geholfen haben, auf Google zu ranken (sofern natürlich der beauftragte Texter sein Handwerk verstand und nicht von einer Content-Mühle beauftragt wurde).
Die Google-EEAT-Updates im Jahr 2025 haben dieser bewährten SEO-Strategie allerdings ein Ende gesetzt. Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness sind die Schlagworte, die heute zählen – und nicht, wie oft du „Holzfußboden“ in einen Absatz packen kannst, ohne wie eine hängende Schallplatte zu klingen. Es ist selbstverständlich kein Zufall, dass KI mit diesen neuen Anforderungen in keiner Weise mithalten kann. Professionelle Texter im Jahr 2026 setzen auf Case Studies, Erfahrungsberichte, persönliche Stories. Was authentisch ist, hat wirkt.
KI ist für mich als Texterin unentbehrlich. Aber vielleicht nicht so, wie du denkst.
RAFAELA KHODAI, NACHHALTIGKEITS-TEXTERIN
Wofür ich als Texterin KI einsetze
Feinschliff & Tonalität prüfen: Texter-Tunnelblick? Durchaus ein reales Risiko; gerade in der bilingualen Arbeit. Darum lasse ich Stil, Ton und Lesefluss gerne von KI testen. Die weist direkt auf Absätze hin, die stilistisch nicht ganz zum gewünschten Ton passen.
Kundengespräche transkribieren: Oft ist ein unverbindliches Kennenlerngespräch die Basis einer langfristigen Zusammenarbeit. Ich bin ein großer Fan von AI-Notetakern (z. B. Otter AI), die sämtliche wichtigen Punkte festhalten, sodass ich meine ungeteilte Aufmerksamkeit direkt an den Kunden richten kann.
Schreibblockaden lösen: Manchmal verwandelt sich auch für etablierte Copywriter eine leere Seite in ein echtes Schreckgespenst. KI hilft mit Brainstormings, schnellen Ideenlisten, Varianten für Headlines oder Einstiege – auch wenn ihr Wert oft darin liegt, mir Vorschläge zu geben, bei denen ich direkt „so aber nicht“ denke…
Grobe Struktur erstellen: Aus einzelnen Textblöcken erstellt KI einen schnellen Erstentwurf. Den ergänze und formuliere ich dann so aus, dass er wirklich zum Briefing und der Zielgruppe passt.
Administrative Aufgaben: KI ist gerade bei „unsichtbaren“ Texterjobs sehr hilfreich: Standard-E-Mails beantworten, Rechnungen vorformulieren oder prüfen, Recherchearbeiten zusammenfassen. Das gibt mir mehr Zeit und Raum für die eigentliche Strategie- und Schreibarbeit.
Brauchst du Unterstützung bei der Erstellung von Texten oder Überarbeitung von KI-Text?

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