Du willst Texte schreiben wie ein Profi (oder einfach nur wissen, wie ich als Profi meine Texte schreibe)? Jup, dann lies weiter. Du darfst Maus im Texterstübchen – sprich „Coworking Space“ spielen! Von der ersten Kontaktaufnahme bis zum fertigen Text lasse ich hier nichts weg (außer den Klopausen. Davon gibt’s einige, denn ich bin chronisch teesüchtig 😉)!

1) die Anfrage

Ich lebe in Australien. Das heißt, wenn die Europäer nach „bester Texter nachhaltig“ googeln, schlafe ich meist. (Vorausgesetzt, sie tun das um 11 am Vormittag und nicht um drei Uhr nachts!) Neue Auftragsanfragen sehe ich deshalb gleich nach dem Aufwachen (keine Sorge, nachts ist mein Handy aus). Bei besonders aufregenden Mails hüpfe ich auch schon mal aufgeregt für drei Minuten mit halbgeschlossenen Augen im Bett herum. Aufregend heißt in meinen Fall übrigens spannend oder weltverbessernd!
Sobald ich es zu meinem Schreibtisch geschafft habe, lese ich mich erst mal in die Website des potenziellen Neukunden ein. Ich will schließlich wissen, für wen ich arbeiten soll! Dann überschlage ich den Auftrag, ziehe Vergleiche mit ähnlichen Projekten und antworte auf dieser Basis mit einer Kostenschätzung und einem Vorschlag für den Arbeitszeitraum. 

Dann heißt’s warten, bis ein „Klingt gut“ oder ein „Du bist mir viel zu teuer, andere machen das für drei Cent pro Wort“ zurückkommt. (Wortpreise gibt’s bei mir übrigens tatsächlich keine. Karten auf den Tisch: Die Billigste bin ich auch nicht – aber dafür bekommen meine Kunden bei mir garantiert das, was sie wollen 😉)

Top-Tipp!

Wissen, was wie lange dauert, ist wie eine Superpower, mit der ich meinen Tag genial planen kann! Kurze Texte sind nicht immer schneller geschrieben als lange, und eine Pressemeldung braucht mehr Zeit, Liebe und Feinschliff als ein Blogpost.

2) Kundengespräch und Briefing

Den „Lass uns starten“-Kunden biete ich entweder ein Telefon- oder Skypegespräch an – das ist besonders hilfreich für die, die besser reden als schreiben können (und die sich genau deshalb eine Texterin ins Boot holen, die Schlauköpfe). Oder ich stelle ein paar weitere Fragen per E-Mail, wenn die erste Nachricht schon recht detailliert war. Was ich dabei herauskitzeln will, nein, muss, um meine Arbeit gut zu machen:

  • Was ist das Ziel des Artikels? Geht’s um SEO, um Information, darum, ein neues Produkt vorzustellen oder bestehende Kunden am Laufenden zu halten?
  • Wie lang soll der Artikel sein? Alles von 350 bis zu 5000 Wörtern ist mir recht …
  • In welchem Stil spreche ich deine Kunden an? Willst du Leser Duzen oder Siezen, von „dir“ oder „uns“ sprechen, lieber eine sachliche oder witzige, respektvolle oder kumpelhafte Sprache sehen? Kurz: Welches Wording passt zu dir? Wenn dich diese Frage überfordert, steht ein Gespräch an. Dann kann ich nämlich zwischen den Wörtern heraushören, welcher Formulierungstyp du bist! 
  • Hast du Keywords, die ich einbauen soll? (Die Keyword-Recherche übernehme ich leider nicht. Dafür kann ich dich aber zu einem SEO-Experten weiterempfehlen. Webtexter müssen ja auch so schon genug können!)
  • Woher bekomme ich meine Infos? Aus der Eigenrecherche, gibt es Studien, hast du (Presse)materialien für mich?
  • Wie sieht es mit Bildmaterial aus? Stellst du das selbst bereit oder soll ich die Bildrecherche übernehmen? Ich kann übrigens auch Infografiken erstellen:

Wenn ich alles weiß, was ich wissen muss, dann wird losgeschrieben. Nein, halt, stopp!!! Erst kommt noch die Recherche!

Top-Tipp!

Je besser das Briefing ist und je mehr Infos ich habe, desto eher treffe ich beim Schreiben den richtigen Ton! Fragen stellen Texter also nicht, um nervig zu sein, sondern nur, um dir das zu geben, was du willst 😀

3) Recherche

Üblicherweise bekomme ich ein paar Links von meinen Kunden, mit dem Hinweis „Den Text finde ich toll“ oder „So, wie das geschrieben ist. Das mag ich“. Diese Texte lese ich gründlich durch und mache mir dabei viele Notizen. Oft fallen mir dabei Fragen auf, die ich meist mit ein bisschen mehr Eigenrecherche selbst beantworten kann. Wenn nicht, werden sie direkt an den Kunden gestellt. Aber keine Sorge, ich versuche, unnötige Mails auf ein Minimum zu reduzieren. Wenn ich dafür keine Briefmarke kaufen würde, schicke ich auch nur sehr ungerne eine E-Mail.

Die Ausnahme: Der Beginn der Zusammenarbeit. Da will ich meine Kunden wissen lassen, dass ich ihre Mails sehe und dass sie mir wichtig sind (auch wenn ich nur mit einem „Dazu melde ich mich morgen ausführlich“ antworte). Das kann ich umgekehrt nämlich ebenfalls sehr schätzen!

Ich recherchiere auf Englisch, wo immer es möglich ist, lese Studien und wissenschaftliche Papers. Wenn ich Studien zitiere, kopiere ich die Aussagen sowie den Quelllink gleich in mein Arbeitsdokument. Dann muss ich nachher nicht noch mal separat danach suche.

Steht die SEO im Vordergrund, recherchiere ich außerdem Long Tail Keywords, zum Beispiel bei AnswerthePublic.

Während der Recherche formuliere ich außerdem die Kernaussage, die mein Artikel haben soll. Außerdem notiere ich mir, wo ähnliche Texte schwächeln und welche Informationen häufig fehlen. Ich will’s schließlich besser machen!

Top-Tipp!

Auch wenn es verlockend ist: Auf Konkurrenzseiten gehe ich nur, wenn es unbedingt sein muss. Ich schreibe meine Texte nämlich am besten ohne Preset und "die anderen haben das aber SO geschrieben" im Ohr.

4) Struktur

Anhand meiner Notizen kann ich jetzt eine grobe Artikelstruktur erstellen. Welche Informationen packe ich in den Artikel und in welcher Reihenfolge führe ich meine Leser durchs Thema?  Fragen werden gleich in Überschriften umgebaut. Das mag Google für die Rich Snippets.

Top-Tipp!

Eine gute Struktur ist die allerbeste Abkürzung zu einem tollen Artikel! In meinen Texter-Anfangstagen habe ich einfach losgeschrieben - und bin dann bei 2000 Wörtern verzweifelt, weil die Kernaussage irgendwo ertrunken ist ...

5) Schreiben

Wow, wir sind schon bei Schritt 5 und JETZT ERST wird geschrieben – beziehungsweise wie wild drauflos getippt. Sämtliche Infos wollen aus meinem Kopf raus und aufs Word-Doc, und zwar so schnell, wie ich tippen kann. Am besten finde ich meinen Schreibflow mit Kopfhörern und klassischer Musik im Hintergrund. Jetzt darf ich nicht hungrig sein oder aufs Klo müssen – für ein paar Stunden bewegen sich nur die Finger und die Welt um mich herum kriegt einen Vignette-Filter. (Ich habe den Verdacht, dass sich mein Gesicht ständig zu dem verzieht, was ich schreibe – aber bis jetzt hat mich noch niemand gefragt, warum ich für meinen Laptop Grimassen schneide!)

Wenn es unbedingt sein muss, wird auch hier gegenrecherchiert, wenn ich mich in einem Punkt überhaupt nicht mehr auskenne. Aber nach Möglichkeit spare ich mir das für den nächsten Schritt auf – Internet ist Ablenkungsgefahr!

Top-Tipp!

Nicht mehr als das, was ich schon gesagt habe! Wild drauflosschreiben und nicht übermäßig auf Formulierungen achten. Wenn dir das passende Wort jetzt nicht ... ach ja, einfällt, dann nimm als Platzhalter eines, das nur zu 80 % passt und nicht zu 100 %!

6) Überarbeitung

Der Text steht, aber meine Arbeit ist bei weitem nicht getan! Was an dieser Stelle am Dokument steht, hat definitiv noch keine Weltklasse-Texterin-Qualität. Das ändert sich jetzt! Der geschriebene Text wird noch mal gründlich aufpoliert und verschönert. Dabei passe ich Formulierungen an den gewünschten Stil an (so kriegt das Geschriebene den Ton, der dir so gefallen hat). Sätze werden kürzer, Satzzeichen verwandeln sich und der Passiv wird verbannt (ein heimtückischer Geselle, dieser Passivling. Schleicht sich immer dann ein, wenn ich nicht aufpasse! Hier zum Beispiel. Ups.) Wenn etwas seltsam klingt oder aussieht, befrage ich erstens Google und grabe zweitens die passenden Grammatikregeln aus. Ich überprüfe Facts und verlinke außerdem zu Quellen, wenn das notwendig und gewünscht ist. Manchmal bastle ich hier auch noch an der Struktur herum und schiebe wichtigere Passagen nach oben. Und: Jetzt ist auch die SEO-Optimierung dran. Keywords baue ich erst an dieser Stelle ganz gezielt ein.

Top-Tipp!

Hier sind ein paar Text-Fauxpas, die schlimmer sind als gar kein Text.

7) Korrektur

Jetzt wird korrigiert – und zwar mit dem Duden-Korrektor. Das Word-Korrekturprogramm mag ich auch. Allerdings vertraue ich keinem Korrekturprogramm zu 100 %. Deshalb setze ich auf die Dreifaltigkeit von Duden-Word-Ela.

Top-Tipp!

Word-Doc in PDF konvertieren und am Tablet oder E-Book-Reader lesen. So fällt dir eventuell noch ein durchgerutschter Fehler auf. Drucken geht auch, ist aber nicht besonders nachhaltig.

8) Ruhen lassen

Der chilligste Part am Texten: Das Geschriebene muss ruhen. Und zwar mindestens 24 Stunden lang! Wie ein Hefeteig (Germteig für die Österreicher) im Kühlschrank. In der Realität ist dieser Teil aber meist nicht ganz so chillig, weil ich dann wahrscheinlich gerade an einem anderen Text arbeite.

Top-Tipp!

Wenn sich das nicht ausgeht, dann mach wenigstens eine lange Pause, bevor du zum nächsten Schritt weitergehst. Back einen Kuchen, jogge eine Runde oder kraul deiner Katze für mindestens 20 Minuten den Hals. (Das bringt vor allem der Katze was).

9) Vorlesen lassen

Das habe ich selbst erst ziemlich spät entdeckt. Aber mittlerweile kann ich auf gar keinen Fall mehr ohne. Word hat diese unglaublich nützliche Vorlese-Funktion (zu finden unter Überprüfen-Laut Vorlesen; eventuell musst du dazu vorher das Menüband anpassen). Was sich gesprochen komisch anhört, liest sich auch doof. Der falsche Fall, ein s zu viel am Wortende oder ein fehlendes Satzzeichen. Fällt dir alles auf, wenn es ausgesprochen wird! Du musst dabei übrigens nicht unbedingt in den Laptop starren. Ich lasse mir Texte auch vorlesen, wenn ich mir ein Brot schmiere oder einen Tee einschenke. Hallo Teesucht, da bist du wieder!

Top-tipp!

Wenn du in der Mitte des Satzes vergisst, wie er angefangen hat, dann ist er ZU LANG!

Step 10: Abschicken & auf eventuelle Korrekturwünsche warten

So, das wars. Geschafft. Weg damit. E-Mail schreiben, Betreff ausfüllen, Artikel anhängen, noch mal aufmachen und checken, ob das auch wirklich die Clean-Version ist. (Überleg dir, welche Änderung du als letztes gemacht hast. Ist sie da? Passt!). JETZT ERST kommt der Empfänger ins Feld. So kannst du nicht aus Versehen auf „Abschicken“ klicken, wenn die E-Mail noch nicht fertig ist. Yay.
Jetzt wird gewartet. Auf Feedback und auf Korrekturwünsche. 14 Tage haben meine Kunden Zeit dafür. Meistens ist das aber gar nicht notwendig. Vielleicht hatte ich bisher einfach nur supertolle Kunden, die perfekt zu mir passen 😊?

Übrigens: Wenn ich nach 3-4 Werktagen noch nichts von meinem Kunden gehört habe, frage ich nach, ob meine E-Mail gut angekommen ist. Man weiß ja nie!

Top-tipp!

Extra-E-Mail-Fach für Sendebestätigungen einrichten und standardmäßig als BCC-Empfänger einstellen. Kommt eine Nachricht nicht an, kannst du checken, ob du sie nicht abgeschickt hast oder ob’s am Empfänger liegt!

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