Studie · EmpCo in der Hotellerie · Österreich 2026

Nachhaltigkeits­kommunikation im Tourismus: Was Österreichs Hotels online versprechen

Seit 27. September 2026 gelten in der EU strengere Regeln für Umweltwerbung (EmpCo). Ich habe mir anhand von 300 zufällig gezogenen Hotels angesehen, wie verbreitet – und rechtssicher – das Nachhaltigkeitsmarketing im Österreichischen Tourismus ist. 

3 von 10

Hotels werben auf ihrer Website mit Nachhaltigkeit.

9%belegen ihre Umweltaktionen rechtskonform.

300Hotels, zufällig gezogen

9Bundesländer, geschichtet

bis zu 15Seiten pro Hotelwebsite durchsucht

Sept. 2026Erhebung rund um den EmpCo-Stichtag

Die spannendsten Ergebnisse

32 %

werben mit Nachhaltigkeit

Das sind 96 von 300 Hotels.

42

haben echte Umweltmaßnahmen umgesetzt.

Das häufigste Muster: starke Maßnahmen ohne Beleg oder Spezifikation.

72%

belegen beworbene Umweltmaßnahmen nicht

69 von 96 werbenden Hotels – das sind 23 % aller 300.

1 von 7

Hotels führt ein anerkanntes Umweltsiegel

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass auch die Nachhaltigkeitskommunikation einwandfrei ist.

Ergebnis 1 · Wer wirbt grün?

Knapp ein Drittel wirbt mit Nachhaltigkeit.

Nur ein Drittel der Hotels spricht auf der Website über Nachhaltigkeit. Fast alle davon nennen echte Maßnahme – Ökostrom, Photovoltaik, regionale Lieferanten.

Mit Zahl, Zeitraum oder Nachweis belegt das aber nicht einmal jedes zehnte Hotel.

Ergebnis 2 · Was Hotels tatsächlich sagen

Die Leistung ist da, der Beleg nicht.

Echtes Greenwashing klingt anders. Viele Österreichische Hotels arbeiten aktiv an wichtigen Nachhaltigkeitsmaßnamen. Sicher vor EmpCo-bedingten Abmahnungen sind sie trotzdem nicht. 

Maßnahme ohne Zahl

Echt und nachvollziehbar – aber ohne Bezugsrahmen, Zeitraum oder Nachweis.

Typisches Beispiel

„Wir setzen auf Ökostrom.“

42

Sauber belegt

Konkrete Maßnahme mit Zahl, Zeitraum oder anerkanntem Nachweis – für dieses Haus.

Typisches Beispiel

„100 % Strom aus erneuerbaren Quellen.“

27

Außerdem auffällig

15Umweltschutz auf KonzernebeneVerweis auf herunterladbare Nachhaltigkeitsberichte, die den gesamten Hotelkonzern umfassen.

9Nur angedeutetSchlagworte oder Unternehmenswerte ohne Substanz.

1Eigenes SiegelSelbst vergeben, nicht anerkannt.

1KlimaneutralBeruhend auf Kompensation statt Vermeidun; damit unter der EmpCo angreifbar.

Basis: 96 Hotels, die mit Nachhaltigkeit werben.

Ergebnis 3 · Bundesländer

Wien wirbt am häufigsten mit Nachhaltigkeit; die großen Tourismusländer am seltensten.

In der Wiener Stadthotellerie wirbt mehr als jedes zweite Haus mit Nachhaltigkeit. Tirol und Salzburg, die zusammen fast die Hälfte aller österreichischen Hotels beherbergen, liegen am unteren Ende.

Hinter jedem Länderwert stehen nur 23 bis 54 Betriebe. Für einzelne Bundesländer ist die Stichprobe zu klein, um repräsentativ zu sein; die Reihenfolge ist ein Hinweis, keine Rangliste. 

Bundesland
Anteil, der mit Nachhaltigkeit wirbt
Hotels
Wien
57 %
17 von 30
Vorarlberg
38 %
11 von 29
Kärnten
38 %
12 von 32
Steiermark
34 %
11 von 32
Oberösterreich
31 %
9 von 29
Niederösterreich
28 %
8 von 29
Burgenland
26 %
6 von 23
Salzburg
24 %
10 von 42
Tirol
22 %
12 von 54

Ergebnis 4 · Siegel

Umweltsiegel sind vorhanden, werden aber nicht ausreichend genutzt.

1 von 7

Hotels führt ein anerkanntes Umweltsiegel

Mindestens 44 von 300 Hotels – meist das Österreichische Umweltzeichen, oft zusammen mit dem EU Ecolabel.

27 von 44

erklären ihr Siegel nicht

Das Logo ist da. Was fehlt, sind die Verlinkung zum Zertifizierer und Zahlen und Fakten dazu, was geprüft wurde.

1

Hotel wirbt mit einem selbst vergebenen Siegel

Laut EmpCo sind selbst vergebene Siegel nicht mehr zulässig.

Praxisbeispiele

Drei Arten, über Nachhaltigkeit zu schreiben

Formulierungen aus der Stichprobe, sinngemäß zusammengefasst und anonymisiert. Keine wörtlichen Zitate, um Zuordnungen zu vermeiden.

So schreiben die meisten42 von 96 Betrieben

Eine echte Maßnahme, ordentlich beschrieben; allerdings ohne Zahl. Das häufigste Muster in der Stichprobe.

Wärme und Strom

„Wir erzeugen den Großteil der thermischen Energie selbst und beziehen Strom aus erneuerbaren Quellen.“

Welcher Anteil ist „der Großteil“? Seit wann? Und wer bestätigt den Ökostrom?

Photovoltaik

„Unsere hoteleigene Photovoltaikanlage sorgt für saubere Energie.“

Wie groß ist die Anlage, und welchen Teil des Verbrauchs deckt sie?

So schreiben die, die es belegen27 von 96 Betrieben

Dieselben Maßnahmen, andere Sätze. Anteil, Zeitraum, Herkunft – jede Angabe ist nachvollziehbar.

Wärme und Strom

„Seit 2021 beziehen wir 100 % zertifizierten Ökostrom. Geheizt wird mit Hackgut von vier Forstbetrieben im Umkreis von 30 km. 

Anteil, Zeitpunkt, Herkunft – drei Angaben, die jede Nachfrage überstehen.

Photovoltaik

Die Photovoltaikanlage am Hausdach hat 21 kWp und und erzeugte 2025 rund 22.000 kWh, etwa ein Drittel unseres Strombedarfs. (Abrechnung des Netzbetreibers). Die Regenwasserzisterne fasst 15.000 Liter und versorgt Gartenbewässerung und WC-Spülung.

Keine großen Worte, dafür konkrete Anlagen mit Größe und Anzahl.

Und so geht es seit 27. September nicht mehr

Hier hilft keine Zahl. Diese Aussagen müssen umgeschrieben werden oder ganz weg.

Allgemeine Umweltaussage

„Bei allem, was wir tun, handeln wir im Sinne des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit.“

Pauschal und ohne Nachweis – genau diese Art von Aussage geht gegen die EmpCo.

Selbst vergebenes Siegel

„Ausgezeichnet mit dem Nachhaltigkeits-Audit unserer Hotelkooperation.“

Ein Prüfprogramm, das die Kooperation selbst vergibt und selbst kontrolliert – kein anerkanntes Zertifizierungssystem.

Nur die Gruppe

„Mehr zu unserem Nachhaltigkeitsengagement finden Sie in dem ESG-Bericht unseres Konzernes.“

Downloadbares Dokument, pauschale Aussagen zum Konzern; keine Details auf den Unterseiten der einzelnen Häuser.

Erkennst du deine eigene Website wieder?

Du hast echte Nachhaltigkeitsmaßnahmen umgesetzt. Was fehlt, sind die Belege auf Website, Buchungsportalen und Gästematerialien. Genau das hier setze ich an: Mit einem klaren Workflow sammle ich potenziell riskante Aussagen und mache aus deinen starken Maßnahmen überzeugende Sätze, die einer Nachfrage standhalten.

Datenbasiertes Green Marketing: Analyse, Belege, Nachhaltigkeitsstory

Hintergrund

Was EmpCo seit 27. September 2026 ändert

Die EU-Richtlinie 2024/825 („Empowering Consumers for the Green Transition“) ändert das Lauterkeitsrecht in Österreich und Deutschland. Vier Dinge sind damit verboten – alle vier treffen Hotels direkt:

Verboten

Allgemeine Umweltaussagen ohne Nachweis

„Nachhaltig“, „umweltfreundlich“, „grün“ nur mit nachgewiesener, anerkannt hoher Umweltleistung.

Verboten

Selbst vergebene Siegel

Nur Zeichen aus anerkannten Zertifizierungssystemen oder von Behörden.

Verboten

„Klimaneutral“ durch Kompensation

Neutralitätsaussagen, die auf zugekauften Zertifikaten beruhen, sind verboten.

Verboten

Zukunftsversprechen ohne Plan

„Bis 2030 klimaneutral“ braucht einen konkreten, überprüfbaren Umsetzungsplan.

Redaktionelle Einschätzung, kein Rechtsgutachten. Ob im Einzelfall ein Verstoß vorliegt, entscheiden Gerichte.

Was Hotels jetzt tun können

Von der riskanten zur starken Aussage

Zu jedem Umweltwort die Frage stellen: Welche Zahl steht dahinter? Gibt es eine, kommt sie in den Satz. Gibt es keine, fällt das Wort weg.

BisherBelegbar

„Wir wirtschaften nachhaltig.“„Wir heizen seit [Jahr] mit [Anlage] und beziehen [Anteil] % Ökostrom.“

„Umweltfreundliche Zimmerausstattung“„Bettwäsche aus [zertifiziertem Material], 100 % Seifenspender aus recyceltem Plastik.“

„Regionale Küche“„[Anteil] % unserer Lebensmittel stammen von [Anzahl] Betrieben im Umkreis von [km] km.“

„Klimaneutraler Urlaub“„Unser CO₂-Ausstoß pro Nächtigung: [X] kg nach Einbau einer Wärmepumpe, im [Jahr] waren es [Y] kg.“

Methode

So wurde gemessen

ZitiervorschlagKhodai, Rafaela (2026): Nachhaltigkeitskommunikation in der österreichischen Hotellerie. EmpCo-Studie, elaschreibt.com.

GrundgesamtheitWKO-Firmenverzeichnis, Branche Hotels: 5.004 Einträge, nach Bereinigung um Doppelungen 4.677 Betriebe.

Ziehung300 Betriebe, geschichtet nach Bundesland: 20 je Land, der Rest nach Betriebszahl pro Bundesland. Fester Zufalls-Startwert, jederzeit reproduzierbar. Betriebe ohne eigene Website oder ohne buchbare Zimmer wurden nach Rang ersetzt, nie nach Auswahl.

PrüfungPro Website wurden bis zu 15 Seiten nach Umweltbegriffen durchsucht. Jeder Treffer wurde manuell eingestuft.

SiegelGezählt nur, wenn das Hotel selbst – oder seine Gruppe ausdrücklich für alle Häuser – die Zertifizierung ausweist. Siegel auf Putzmitteln oder Papier zählen nicht. 

GenauigkeitGesamtwert ± 5 Prozentpunkte, Einstufung der 96 Aussagen ± 9 Prozentpunkte. Einzelne Bundesländer sind wegen der kleinen Fallzahlen nicht belastbar.

GrenzenNur Websites – keine PDFs, Blogartikel, Bildtexte, Portale oder Social Media. Die Stichprobe stammt aus dem WKO-Verzeichnis, nicht aus allen rund 10.800 Hotelbetrieben laut Statistik Austria.

AnonymitätKein Betrieb wird genannt. Beispiele sind sinngemäß zusammengefasst.

Du machst wahrscheinlich mehr richtig, als deine Website verrät.

Ich finde die Zahlen hinter dem, was ihr ohnehin tut – und mache daraus Sätze, die einer Nachfrage standhalten. Von der Analyse eurer Website bis zur fertigen Nachhaltigkeitsstory.